Auf den Spuren des Judentums in Regensburg
Stadtführung und Synagogenbesuch statt Unterricht: Am 10. März machten sich die 9. Klassen des Gymnasiums Vilshofen auf nach Regensburg – denn in den Gassen der Innenstadt gibt es viel zu entdecken, vor allem in Sachen jüdischer Geschichte!
Auf einer Führung konnten die Jugendlichen wichtige Orte und Gegenstände entdecken, die bezeugen, was den Juden im Laufe der Geschichte widerfahren ist: Entweihte Grabsteine, die als Baumaterial missbraucht wurden, einige der über 200 in der Stadt verstreuten Stolpersteine, die das Gedenken an jene Personen bewahren, die zur Zeit des Nationalsozialismus in Konzentrationslager gebracht und getötet wurden, sowie die Grundmauern der alten Synagoge, welche bereits 1519 zerstört wurde. Besonders berührend fanden die Schüler die Geschichte eines 14-jährigen Mädchens, das eines Tages von der Schule nachhause kam und dort niemanden mehr vorfand – ihre Familie war deportiert worden. In einem Brief wurden ihre Verzweiflung und Ratlosigkeit deutlich. Nachdenklich stimmten auch die antisemitischen Werke, die bis heute an der Fassade des Doms angebracht sind: Eine Gruppe Juden, die die Milch eines Schweines trinkt, welches ein Symbol für Unreinheit und den Teufel ist. Eine weitere Darstellung zeigt Personen, die um eine goldene Kuh tanzen, was kritisieren sollte, dass Juden häufig im Geldverleih tätig waren, denn Zinsen zu verlangen war für Christen damals eine Sünde. So hatten Juden auch keine andere Wahl, da sie aus allen anderen Berufsfeldern verdrängt worden waren. Dass diese Werke nicht entfernt wurden, sorgte in Regensburg lange für Diskussionen, jedoch sollen sie nun an die Geschichte der Stadt erinnern und uns eine Warnung für die Zukunft sein.
Nach einer Mittagspause durften die Jugendlichen in einer Synagoge Platz nehmen, während ein Rabbiner ihnen die Ausstattung des jüdischen Gotteshauses zeigte, Traditionen erklärte sowie einen Abschnitt aus der Thora vorlas. Anschließend hatten die Schüler und Lehrer die Gelegenheit, alle Fragen zu stellen, die ihnen durch den Kopf gingen. Im Gegensatz zu der vorherigen prunkvolleren Synagoge, die 1938 während der Novemberpogrome zerstört wurde, ist das neue Gotteshaus, welches am selben Ort wieder aufgebaut wurde, eher schlicht und unauffällig. Zudem ist es mit schusssicherem Glas ausgestattet und man kommt nur durch eine Pforte hinein. Dies ist nötig und sogar bayernweit vorgeschrieben, da wieder immer häufiger Anschläge auf Synagogen verübt werden. Es gibt zu denken, dass Juden heutzutage immer noch um ihre Sicherheit besorgt sein müssen und gezwungen sind, wachsam und diskret zu sein.
Viele der Schüler und Schülerinnen sind sich einig: Bei der Exkursion alles mit ihren eigenen Augen zu betrachten, brachte sie dem Thema viel näher als Unterricht es je könnte.
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Julia Bindereder, 9b









